Alles fließt

Katalog, der anlässlich des 20jährigen Bestehens von  Ponte Cultura
in der zweiten Jahreshälfte 2011 herausgegeben wird.

Text von Günter Braunsberg
Fotos aus dem PC Archiv und von den beteiligten Künstlern

Auszug aus dem Katalogtext…

„Als die deutschstämmige Anthropologin Inge Thieme sechs brasilianische Künstlerinnen dafür begeisterte sich in einem Workshop mit „Sambaqui“ auseinanderzusetzten, ahnte niemand, dass diese „kleine“ Aktivität zur Initialzündung für Ponte Cultura werden würde. So wie eine unauffällige Quelle durch Zuflüsse bereichert wird und zum Fluß, ja Strom, anwachsen kann, so entwickelte sich im Laufe zweier Jahrzehnte aus kreativen Bausteinen eine kulturelle Brücke, die von brasilianischen und deutschen Künstlern und Kunstliebhabern getragen wird und eine kommunikative und kreative Verbindung zwischen den Kontinenten Europa und Amerika herstellt.

„Wir steigen in denselben Fluß und doch nicht in denselben, wir sind es und wir sind es nicht.“ Heraklits altbekannte Idee lässt sich auf Ponte Cultura in mehrfacher Weise übertragen. Zum einen entwickelte sich die 1990 ins deutsche Vereinsregister eingetragene Initiative von Künstlerbegegnung zu Künstlerbegegnung, von Workshop zu Workshop, von Ausstellung zu Ausstellung weiter. Die „Institution“ veränderte sich, aber auch die Beteiligten schöpften aus den Anregungen und brachten andererseits sich selbst in den Pool gemeinsamer Ideen und Aktivitäten ein. Zum anderen zeigte sich, dass nach der anfangs dominierenden Hinterfragung des Kunstbegriffs immer mehr die Frage nach der Zeit, ihrem schnellen oder langsamen Verfließen, und der Realität und Symbolik des Wassers thematisiert wurden.

Auffallend ist, dass das Wasser mit seinen Veränderungen als bildhafte Parallele zum Leben aufgefasst werden kann. Es beginnt mit der Quelle (Geburt). Es entwickelt sich vom plätschernd den Berg herabspringenden Bach (Kindheit) zum Fluß (Jugend), der immer neue ihm zuströmende Nebenflüsse in sich aufnimmt – zum Strom (Reife), der breit dahinfließt, mehr oder weniger gemächlich, auf sich selbst bezogen, die Betrachtung der Ufer erlaubend, die nicht mehr vorbeirauschen wie im Auf und Ab der hektischen Veränderungen des Wildbachs. Je ruhiger die Wasseroberfläche desto mehr reflektieren darauf die Ufer, das außerhalb Liegende. Licht und Schatten können bis in die Tiefen vordringen. Der

See (Alter) hat Zufluß und Abfluß, aber er selbst fließt nicht oder kaum. Am Ende des Weges des Wassers: das Meer (Tod?). Die Wellen bäumen sich mit mächtig gebündelter Kraft auf. Aber andererseits verändert gerade hier das Wasser seinen Agregatzustand. Es verdunstet. Wolken ziehen über das Land. Es regnet. Wasser sammelt sich in der Erde und entspringt ihr um als Quelle von Neuem zu beginnen……..“

 

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