Text von Prof. Herbert Rolim, Fortaleza (Kurzform)
Naveganças ist ein Neologismus, der nicht im Wörterbuch zu finden ist, sondern sich als Handlung in Bewegung manifestiert. Er bezieht sich auf das Handeln, das Sinn erzeugt, während es geschieht. Es nähert sich dem Motto „Navegar é preciso, viver não é preciso” (Segeln ist notwendig, leben ist nicht notwendig) an, das Fernando Pessoa als poetische Freiheit auffasste, wobei Segeln sich auf das Schöpferische bezieht und Leben über das reine Überleben hinausgeht und sich als Erfahrung der Vergänglichkeit, des Risikos und der Erfindung behauptet.
Segeln bedeutet hier, den Weg als Prozess zu verstehen: den Ursprung, den Verlauf und die vorläufigen Ankünfte als Teile derselben Bewegung zu betrachten. Jeder erreichte Punkt ist auch auf halbem Weg zu einer neuen und kontinuierlichen Ankunft.
Ausgehend von dieser Erkenntnis gibt Naveganças der Ausstellung zum 35-jährigen Jubiläum von Ponte Cultura ihren Namen, die seit ihrer Gründung 1990 durch Marianne und Peter Stüve bereits eine Route Deutschland/Brasilien/Deutschland vorsah, verbunden durch die künstlerische Erfahrung. Die Ausstellung Kunst & Identität von 1992 in Nürnberg, die auf Einladung der Stadtverwaltung stattfand und die Feierlichkeiten zum 500-jährigen Jubiläum der Entdeckung Brasiliens vorwegnahm, wurde zu einem Meilenstein für Ponte Cultura, aus der die Kunst als Kompass und als Geschichte hervorging, die Bewegungen lenkte und Wege ebnete.
Die erste Ausstellung von Ponte Cultura in Brasilien fand 1994 unter dem Titel Travessia im Museum für zeitgenössische Kunst in São Paulo – MAC/SP statt, an der fünf deutsche und fünf brasilianische Frauen teilnahmen, Pionierinnen dieser Vereinigung, die das Werk nicht als Schiff, sondern als Überfahrt versteht. Ihre Aktionen untersuchen Territorien, Grenzen, Gastfreundschaft und kulturelle Spannungen und suchen nach Wegen, den kollektiven Körper als geteilte Subjektivitäten und Formen des Zusammenlebens mit Unterschieden zu denken.
In diesem Sinne verbindet Naveganças aus der Perspektive der physischen Reise Wasser, Kartografie, Landkarten, Einwanderung und Diaspora miteinander. In seiner symbolischen Dimension wird Wasser – Materie, Prozess und Kraft – zur Metapher für kulturelle Begegnungen, Dialoge und Verbindungen zwischen Welten. Wie in kreativen Prozessen erinnert es uns daran, dass nichts ohne Veränderung Bestand hat.
Naveganças erscheint somit als Synthese und Horizont. Es ist mehr als ein Thema, es ist eine Art, die Welt in Bewegung zu bewohnen – wo Überqueren bedeutet, zuzuhören, zu verhandeln und sich zu verwandeln. Zwischen physischen und symbolischen Gewässern, geerbten Karten und neu erfundenen Routen führt das Navigieren nicht zu einem festen Ziel, sondern zu einer kontinuierlichen Übung der Beziehung, in der Unterschiede nicht aufgehoben werden, sondern zu lebendiger Materie des Zusammenlebens werden.



























Clippings zur Ausstellung



































































